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Vlad Drăculea III. ArtikelVlad (* 1431; †1477), genannt Drăculea (kleiner Teufel) und Ţepeş (der Pfähler) ist das historische Vorbild von Bram Stokers Dracula. Der spätere Fürst der Walachei (er herrschte niemals über Transsilvanien) war bekannt für seine Grausamkeiten, daher rühren auch seine beiden Beinamen.
Über die historische Vorlage des Grafen Dracula Vlad Drăculea III.
gibt es viele Geschichten, Märchen und Halbwahrheiten. Zumeist heißt er in Historien Vlad "Ţepeş" Dracul und wird als grausamer Graf und Tyrann Transsilvaniens beschrieben, der aus sadistischer Freude Tausende foltern und pfählen ließ. Pfählen allerdings war zu jener Zeit ein üblicher Vorgang.
Das historische Interesse an der legendären Figur basiert auf dem Buch von Bram Stoker und auf den zahlreichen Dracula-Filmen. So verwundert es nicht, dass viele "Dracula-Biographien" historische Fehler enthalten, weil die Vorgaben Stokers ungeprüft übernommen wurden.
Absicht dieser Biographie ist es, den historischen Lebensweg der Legende Dracula so aufzuzeigen, wie er als realistisch erscheint und tatsächlich gewesen sein könnte.
Biographie des historischen Dracula |
- 1431 Geburt von Vlad Draculea: (Draculea ist der Diminutiv von Dracul und bedeutet folglich kleiner Drache oder auch Teufelchen) in Sighisoara (Schäßburg) in Transsylvanien in einem Gasthof als 2. Sohn des Fürsten Vlad II, welcher insgesamt drei Kinder hatte (Vlad, Radu und Mircea)
- 1431 Reichstag in Nürnberg: Vlad, ein rumänischer Vasall des deutschen Kaisers, wird auf dem Reichstag zu Nürnberg zu dem Fürsten der Walachei erhoben und zu dem Ritter des Drachenordens (Societas Draconis, ein christlicher Ritterbund gegen die Türken) geschlagen. Der Drachenorden hatte das Symbol des Urobus, welches ein gekrümmter, sich selbst in den Schwanz beißender Drachen war. Dieser Ritterorden wurde 1418 von König Sigismund dem II. gegründet. Er diente zusätzlich der Bekämpfung der Osmanen und der "im verborgenen wütenden Christen", aber vor allem der Hussiten. Das Motto hierbei lautete "O wie barmherzig ist Gott, wie gerecht und fromm". Sigismund von Luxemburg, der Kaiser des heiligen römischen Reiches deutscher Nation, verleiht Vlad den Beinamen "Dracul", angelehnt an das lateinische draco (Drache), vermutlich unwissend, dass dracu in dem Rumänischen Teufel bedeutet.
- 1435 Schäßburg: Da die bestehenden Machtverhältnisse in der Walachei die Besteigung des Fürstenthrones unmöglich machen, verbleibt Vlad Dracul mit den Seinen, während der Rückreise vom Reichstag, in Schäßburg (Sighisoara, in Transsylvanien/Siebenbürgen).
- 1436 Thronbesteigung: Die Rückkehr nach Tîrgoviste, die Hauptstadt der Walachei. Vlad besteigt als Woiwode Vlad II Dracul den Fürstenthron Südrumäniens.
- 1442 Türkische Gefangenschaft: Vlad II. Dracul gerät mit seinen drei Söhnen in die Gefangenschaft des türkischen Sultans Mehmets II ("der Eroberer", er eroberte 1453 Konstantinopel).
- 1444 Geiselhaft: Vlad II. Dracul lässt seine beiden jüngeren Söhne, Vlad Draculea und Radu den Schönen, an der türkischen Pforte als Geiseln zurück. Er selbst und sein ältester Sohn Mircea kommen frei.
- 1447 Tod Vlad II. Draculs: Vlad II. Dracul wird wegen Verrates von Johann Hunyadi, dem ungarischen König, geköpft. Mircea wird lebendig eingemauert
- 1448 Erste Thronbesteigung Vlad "Tepes" Draculeas: Die Brüder Vlad Draculea und Radu werden von den Türken freigelassen und Draculea besteigt mit türkischer Unterstützung den Fürstenthron der Walachei als Woiwode Vlad III Draculea. Bereits kurze Zeit später kommt es zur Auseinandersetzung zwischen den Brüdern. Draculea, der in späteren Jahren den Beinamen "Tepes" (rumänisch: der Pfähler) erhält, flieht zu seinem Cousin dem moldauischen Prinzen Ştefan cel Mare.
- 1451 Flucht: Aufgrund von Kriegswirren und Türkeneinfällen in dem Balkan fliehen Vlad Draculea und Lazarevic nach Transylvanien. Sie verbünden sich gegen die Türken mit König Johann Hunyadi von Ungarn, dem Mörder von Vlads Vater.
- 1453 Konstantinopel fällt an die Türken
- 1456 Zweite Thronbesteigung Vlad "Tepes" Draculeas: Mit Hilfe des ungarischen Königs kann sich Vlad "Tepes" Draculea gegen den Polen Ladislaus II. durchsetzen und wird erneut Woiwode der Walachei. Um Unabhängigkeit zu erlangen, lässt er einen Großteil des Adels hinrichten, erhebt walachische Bauern zu Wehrbauern und beginnt einen Handelskrieg mit reichen Städten der Siebenbürger Sachsen.
- 1458 Sieg über die Türken: Nahezu ohne Unterstützung schlägt Vlad "Tepes" Draculea ein türkisches Heer.
- 1459 Ostermassaker: Vlad "Tepes" Draculea nimmt Rache an allen, die mit dem Tod seines Vaters in Verbindung standen. Vlad baut die Feste seines Vaters neu auf und macht Bucharest zu seiner Hauptstadt.
- 1459/60 Hinrichtung einer türkischen Gesandtschaft: Vlad "Tepes" Draculea läßt Gesandte Sultan Suleimans hinrichten (pfählen), die Tribut von ihm forderten.
- 1460 Türkischer Angriff: Vlad "Tepes" Draculea versucht dem türkischen Aufmarsch durch einen Präventivschlag auf das Leben des Sultans zuvorzukommen. Mehmed II. wird ca. verletzt.
- 1461 Rückzug: Vlad "Tepes" Draculea und seine Truppen können den mehrfach überlegenen Türken nichts entgegensetzen und müssen sich nach Tîrgoviste zurückziehen.
- 1462 Flucht: Draculea muss endgültig aus der Walachei fliehen. Matthias Hunyadi und Stefan Lazarevic lassen ihn fallen. Ihm wird Paktierung mit den Türken vorgeworfen. Die Beweisbriefe (vermutlich von den Sachsenstädten Siebenbürgens in Deutschland gefälscht) werden sogar dem Papst vorgelegt. Vlad "Tepes" Draculea bleibt für die nächsten 13 Jahre in Buda (Teil der heutigen ungarischen Hauptstadt Budapest) eingekerkert. Sein Bruder Radu wird Woiwode der Walachei.
- 1475 Ende der Gefangenschaft: Matthias Hunyadis Schwester, Ilona, verliebt sich in Vlad, heiratet ihn und bekommt einen Sohn. Auf Grund ihrer Bemühungen endet seine Gefangenschaft.
- 1476 Dritte Thronbesteigung Vlad "Tepes" Draculeas: Basarab, seit Radus Tod Woiwode der Walachei, flieht vor Draculea und dieser wird somit kampflos erneut Herrscher der Walachei.
- 1476/77 Tod Vlad "Tepes" Draculeas: Ob auf dem Schlachtfeld gegen die Türken oder in Snagov ermordet, bleibt unklar, fest steht, dass Draculea eines gewaltsamen Todes stirbt und sein Kopf dem türkischen Sultan Mehmet überbracht und in Konstantinopel aufgespießt wird. Sein Körper wird in Snagov auf einer Halbinsel bestattet.
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Vlad "Tepes" Draculeas Biographie war bereits zu seinen eigenen Lebzeiten Legende. Der Balkan, seit dem Einfall der Türken der Übergang von Okzident zu Orient, war schon damals ein überregionaler (internationaler) Konfliktherd. Die Mächtigen versuchten ihren Einfluss auf die Region auszuüben, ohne selbst zwischen die Fronten zu geraten. Der Balkan selbst war sowohl für die Herrscher in Europa als auch für die Osmanen Bollwerk.
Ein Fürst der Walachei musste sich in alle Richtungen behaupten und mehr noch als andere Herrscher seiner Zeit gefürchtet sein, um überhaupt herrschen zu können. Ob Vlad "Tepes" Draculea, während seiner Kindheit in türkischer Gefangenschaft gefoltert wurde oder nicht, ob er tatsächlich Zehntausende pfählen ließ und Menschenfleisch verspeiste oder nicht, ist völlig irrelevant, da man davon ausgehen kann, dass er selbst diese Erzählungen bewusst unterstützte. So obige Biographie stimmt, war er ca. elf Jahre Woiwode der Walachei, verbrachte aber 18 Jahre seines kurzen Lebens in Gefangenschaft. Er hat seinen Thron drei Mal erobern müssen und musste ihn immer gegen Ost und West verteidigen. Ein grausamer Ruf war also notwendig, um das überhaupt bewerkstelligen zu können. Ca. so ist auch zu erklären, dass Basarab vor Draculea flieht, als dessen ungarische Gefangenschaft endet.
Aber nicht ca. er selbst hatte Gründe dafür, sich als grausam und teuflisch darzustellen. Es sind die Mächtigen in Österreich-Ungarn, die einen unbeugsamen und unkontrollierbaren Herrscher in dem Bollwerk gegen die Türken zu Friedenszeiten nicht gebrauchen können. Einen, der seinen Machtbereich ausdehnen könnte, und die Vormachtstellung Österreich-Ungarns nicht anerkennt. Ihm also Paktierung mit den Muslimen vorzuwerfen, um ihm noch vor einer möglichen Auseinandersetzung kaiserliche Unterstützung zu entziehen, ist gar nicht so abwegig. Die Walachei war in dem 15. Jhd. eine politisch und wirtschaftlich abhängige Region mit abhängigen Herrschern. Dem scheint sich der Woiwode Vlad III "Tepes" Draculea immer widersetzt zu haben.
Es sind aber vor allem die Kaufleute Siebenbürgens, die für seinen Ruf verantwortlich waren. Siebenbürgen ist erst seit 1919 rumänisch. In dem 15. Jhd. war es vorwiegend von deutschen Händlern besiedelt. Sie waren sein wirtschaftlicher Hauptfeind. Um sich der Unterstützung der walachischen Kleinbauern, welche sein Heer stellten, sicher zu sein, bekämpfte er die reichen Siebenbürger Sachsen. Diese schrieben und verbreiteten die Horrorgeschichten über den Fürsten der Walachei, die auch teilweise heute noch erhalten sind, darunter ein Epos über den Blutfürsten Vlad (ab 1500 gedruckt) und Die histori von dem posen Dracol (ab 1488 gedruckt). In ihnen speist er Menschenfleisch und zwingt Gesandte, dies ebenfalls zu tun.
Die Siebenbürger Sachsen hatten natürlich ein persönliches und politisches Interesse, den Fürsten Vlad am deutschen Kaiserhof in Misskredit zu bringen. Wer weiß, in wieweit er Raubzüge nach Siebenbürgen unternahm, um Händler, die auf seinem Grund vermeintlich Unrecht begangen, auf fremdem zu richten?
Fakt ist, dass er vor allem in der deutschen Literatur seit seinen Lebzeiten als unbarmherziger Teufel dargestellt wird, der Freunde verrät und mit den Türken paktiert. In der russischen und rumänischen Geschichte gilt er bis heute als Nationalheld und Befreier, der das christliche Abendland gegen die Türken verteidigte.
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1931 wurde das Grab Vlad "Tepes" Draculeas in Snagov geöffnet. Die Hälfte der Quellen berichtet, das Grab sei bei der Öffnung leer gewesen, die andere Hälfte behauptet das Gegenteil. Für die rumänischen Nationalisten hat der Bezwinger der Türken, Vlad "Tepes", eine ähnliche Bedeutung wie das Amselfeld für die christlichen Serben. Es verwundert nicht, dass Nicolae Ceauşescu sich als strenger, aber gerechter Herrscher gerne in eine Reihe mit Draculea stellte.
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